Anmerkungen zur britischen Studie über Überwachungskameras

England ist der Traummarkt für Anbieter von Überwachungskameras. Rund 4,2 Millionen dieser CCTV-Geräte (Closed Circuit Television) sind laut AP landesweit installiert. Jeder Brite wird täglich durchschnittlich von 300 Kameras beobachtet (gelesen in der NZZ vom 26.2.2005).

Als Hauptgrund für die hohe Verbreitung wird ein vermuteter Rückgang der Kriminalität im Umfeld der Kameras angeführt. Dies entspricht jedoch nicht in jedem Fall der Realität. Eine Studie des britischen Home Office (PDF, 176 Seiten, 750 KByte) hat 14 Standorte mit statistischen Methoden überprüft und folgendes festgestellt:

The most obvious conclusion to be drawn from the analysis in this chapter is that CCTV is an ineffective tool if the aim is to reduce overall crime rates and make people feel safer. The CCTV systems installed in 14 areas mostly failed to reduce crime (with a single exception), mostly failed to allay public fear of crime (with three exceptions) and the vast majority of specific aims set for the various CCTV schemes were not achieved.

Die Ergebnisse der Studie sind durchaus ambivalent: Bei Eigentumsdelikten (insbesondere beim Diebstahl von Autos) wurde nämlich doch ein Rückgang registriert, während kaum ein Einfluss auf Gewaltverbrechen festgestellt werden konnte. Die Autoren kritisieren, dass zur Verfügung stehende Gelder nicht immer richtig ausgegeben würden. Mit durchdachten Konzepten und sinnvoller Investition der Mittel seien nämlich weitaus bessere Ergebnisse zu erzielen.

So lieb es mir in diesem Fall also auch wäre, die Studie lässt sich leider nur bedingt als Argumentationshilfe gegen den Einsatz von Überwachungskameras einsetzen. Um noch einmal die Autoren der Untersuchung zu Wort kommen zu lassen:

Those who expected that this evaluation would show CCTV to be either an unparalleled success, or an affront to a democratic society, will be disappointed. The truth is that CCTV is a powerful tool that society is only just beginning to understand. It looks simple to use, but it is not.

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