Schweizer Erfahrungen mit DNA-Profilen

Unter dem Titel „DNA-Profile — die Lieblinge der Polizei“ ist am 4. März 2005 in der NZZ ein längerer Artikel erschienen, der sich mit dem Anfang dieses Jahres in der Schweiz in Kraft getretenen DNA-Profil-Gesetz und seinen praktischen Auswirkungen beschäftigt. Der Schweizer Polizei sei es nun erlaubt, „sowohl vom mutmasslichen Sexualverbrecher wie auch vom Zechpreller ein DNA-Profil herstellen zu lassen“. Zur Aufklärung eines Verbrechens könne von jeder verdächtigen Person eine DNA-Probe entnommen werden.

Allerdings dränge sich der Verdacht auf, dass die Polizei Daten auf Vorrat beschaffen wolle. Als Beispiel nennt der Autor den Fall mehrerer Hausbesetzer, die am Tatort angehalten und kontrolliert worden seien. Diese Praxis beruhe auf der These des Kriminologen Martin Killias, die besage, dass Verbrecher in der Vergangenheit oft bereits weniger schwer wiegende Delikte begangen haben. Erfasse man nun von möglichst vielen ‚Kleinkriminellen‘ das DNA-Profil, steige die Chance, bei schweren Verbrechen einen Hit zu verzeichnen. Nach Angaben eines Kriminalpolizisten sei der Abstrich der Wangenschleimhaut bereits ein Automatismus bei der erkennungsdienstlichen Behandlung.

„Aber auch die Täter lernen“, kommentiert der Schweizer Anwalt Marcel Bosonnet. Es sei einfach, ein paar fremde Zigarettenkippen mitzunehmen und diese am Tatort zu hinterlassen, um die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken. Den Befürwortern der flächendeckenden DNA-Profile dürfte das aber herzlich egal sein.

Update, heute auf Spiegel Online: Zypries plant Ausweitung von DNS-Tests. Zitat: „Künftig soll es für Fahnder erheblich einfacher werden, einen genetischen Fingerabdruck von Straftätern zu nehmen.“

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