Abgesang auf Palm

Palm gibt sich wirklich alle Mühe, auch den leidensfähigsten Anhänger vor den Kopf zu stoßen. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen immer wieder unfertige Produkte auf den Markt gebracht. Dazu kommt: Das ganze Hin und Her um den Namen und die Produktpolitik hat kaum noch jemand verstanden.

Immer wiederkehrende Berichte über mangelnde Stabilität und nur noch ansatzweise vorhandene Abwärtskompatibilität haben selbst überzeugte Palm-Nutzer wie mich über Jahre davon abgehalten, wieder einen Palm zu kaufen. Beim Lifedrive bin ich dann doch schwach geworden. Das Gerät ist nicht schlecht, aber ich bin auch gelegentlich von Abstürzen geplagt worden. Palm schafft es einfach nicht mehr, „runde“ Produkte auf den Markt zu bringen. Alles wirkt unfertig und zu früh veröffentlicht.

Um nur zwei Beispiele zu nennen: Dem Lifedrive nur 32 MByte echtes RAM zu spendieren, bei einer 4 GByte großen integrierten Festplatte, ist absolut unverständlich. Dadurch wird das Gerät unnötig ausgebremst, weil immer wieder Daten von der Platte nachgeladen werden müssen. Dort liegt ein zweiter, noch einmal 64 MByte großer Arbeitsspeicher. Zweitens: Gesetzt den Fall, ich nehme das Gerät auf eine Reise mit und speichere meine Digitalfotos darauf, was prinzipiell ausgezeichnet funktioniert. Bei einem Absturz, der auch mit den Originalanwendungen jederzeit passieren kann, hilft aber nur noch ein Hardreset. Dabei werden alle Daten gelöscht, die Bilder wären futsch! Das ist inakzeptabel.

Nun kommt der nächste Schlag ins Gesicht: Palm bringt einen PDA mit Windows Mobile auf den Markt. Und noch dazu in einer der wenigen noch wirklich erfolgreichen Produktreihen, der Treo-Familie. Als Lifedrive-Nutzer muss man sich da fragen, wie lange Palm das eigene Betriebssystem noch unterstützen wird? Das von vielen Kunden dringend erwartete Betriebssystem-Update für das Lifedrive lässt jedenfalls noch immer auf sich warten.

Auf der anderen Seite irritiert der Kauf von Palmsource durch Access. Das asiatische Unternehmen ist dem Vernehmen nach mehr an der Linux-Expertise des OS-Herstellers interessiert, die dieser durch die Akquisition von China Mobilesoft vor einem Jahr erworben hat. Was das für die Zukunft für Palm OS bedeuten mag, darf sich jeder selber ausmalen.

Schade drum. Da wurde ein erfolgreiches Produkt und vor allem ein erfolgreiches Konzept mit Wucht an die Wand gefahren.

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